Über uns

Medinetz Mainz ist eine Anlaufstelle für Migrant*innen, die in Deutschland leben und keinen oder stark eingeschränkten Zugang zu einer geregelten Krankenversorgung haben. Hierzu zählen neben Papierlosen und Asylsuchende auch Menschen aus Bulgarien und Rumänien. In unserer Sprechstunde können diese Menschen ihre medizinischen Probleme schildern – wir vermitteln dann an unser Netzwerk von Ärzt*innen, die kostenlos oder vergünstigt behandeln. Zusätzlich betreiben wir Öffentlichkeitsarbeit und setzen uns auf politischer Ebene ein, um auf eine staatlich getragene medizinische Versorgung dieser Menschen hinzuwirken.

Nach Schätzungen leben zwischen 300.000 und einer Million Menschen ohne eine gültige Aufenthaltsgenehmigung in Deutschland. Menschen ohne Papiere, die hier als illegalisierte Migrant*innen leben, haben nur einen sehr eingeschränkten Zugang zur Gesundheitsversorgung. Zwar können sie über das Sozialamt einen Krankenschein bekommen, doch ist dies für sie mit einer Meldung an die Ausländerbehörde und damit einer möglichen Abschiebung verbunden.
Bis zur Gründung des Mainzer Medinetzes im Jahr 2006 gab es in Mainz keine Einrichtung, bei der Menschen ohne Papiere anonym und ohne Risiko einer Meldung an die Ausländerbehörde eine medizinische Versorgung erhalten können.

Wir kümmern uns nicht nur um Menschen ohne Papiere, sondern auch um Menschen ohne Krankenkasse und Asylbewerber*innen. Gerade Menschen aus den neuen EU-Ländern haben oft keine Krankenversicherung. Erkrankungen oder auch eine Schwangerschaft stellen sie vor große Schwierigkeiten. Asylbewerber*innen sind zwar krankenversichert, die Leistungen sind aber stark begrenzt.

Unser Ziel

Wir wollen eine verbesserte medizinische Versorgung für Migrant*innen, Flüchtlinge und Menschen ohne Papiere in Mainz und Umgebung schaffen und das Engagement der einzelnen Ärzt*innen vernetzen. Ebenso ist es uns ein Anliegen, in der Öffentlichkeit auf das Thema „Menschen in der Illegalität“ aufmerksam zu machen und die Situation der hier lebenden Menschen ohne Papiere im Rahmen diverser Veranstaltungen darzustellen und zu diskutieren. Darüber hinaus suchen wir gemeinsam mit anderen Organisationen den Kontakt zur Politik, um auf diese Weise an einer dauerhaften Lösung des Problems mitzuarbeiten.

Unsere Arbeit

Im Mai 2006 haben wir eine Sprechstunde eingerichtet, in der uns erkrankte Personen aufsuchen können. Nach einem Beratungsgespräch vermitteln wir die Patient*innen an eine(n) mit uns kooperierende(n) Arzt/Ärztin der entsprechenden Fachrichtung. Momentan arbeiten wir mit über 30 Ärzt/inn/en zusammen.
Die Sprechstunde findet jeden Montag zwischen 18 und 19:45 Uhr in den Räumen des Caritas-Zentrums Delbrêl in der Mainzer Neustadt (Aspeltstraße 10) statt. Die Patient*innen erhalten von uns einen möglichst zeitnahen Termin und einen Überweisungsschein, den sie in der Praxis vorzeigen können.
Außerhalb der Sprechzeiten sind wir telefonisch oder per E-Mail zu erreichen.

Am 13.11.2006 haben wir einen gemeinnützigen Verein mit dem Namen „Medinetz Mainz e.V.“ gegründet, um eine eigenständige rechtliche Form zu haben.
Über unsere Kontakte zu karitativen Organisationen, interkulturellen Vereinen und Anlaufstellen für Ausländer/innen in Mainz sowie unsere Öffentlichkeitsarbeit sind wir bekannt geworden. Zusätzlich ist ein mehrsprachiger Flyer im Umlauf, der über unsere Arbeit informiert.

Rechtliche Situation

Der bisherige Stand in der Rechtsprechung ist, dass das Hilfsgebot der Mediziner*innen über dem Meldegebot steht. Tatsache ist auch, dass seit mehreren Jahren in verschiedenen deutschen Städten (z.B. Freiburg, Bonn, Bochum, Berlin etc.) ähnliche Initiativen bestehen und noch kein(e) Arzt/Ärztin und keine Klinik dafür belangt wurden, dass sie Menschen ohne gültigen Aufenthaltstatus behandelt haben. Im Gegenteil begrüßen viele Stadtverwaltungen stillschweigend das Engagement für diese Personengruppe, weil sie sich dadurch selbst nicht um das Problem kümmern müssen.
Die Bundesärztekammer machte zudem mehrmals deutlich, dass sie hinter allen Kolleg/inn/en steht, die Menschen ohne Papiere in ihrer Praxis behandeln.

Finanzierung

Unsere Vermittlungstätigkeit erfolgt ausschließlich ehrenamtlich. Die Ärzte und Ärztinnen stellen ihre Behandlung soweit es geht kostenlos zur Verfügung.
Medikamenten- und Laborkosten, teure Untersuchungen und Krankenhausaufenthalte werden über Spenden und, wenn möglich, durch Eigenbeteiligung der Patient*innen finanziert.
Um die benötigten finanziellen Mittel zu bekommen, veranstalten wir verschiedene Fundraising-Events und bitten bei unseren Info-Veranstaltungen um Unterstützung. Es besteht auch die Möglichkeit, Fördermitglied des Vereins zu werden, um damit unsere Arbeit regelmäßig zu unterstützen.

Öffentlichkeits- und Pressearbeit

Wir sind bemüht, das Thema Menschenrechte und Illegalität auch öffentlich zu diskutieren. Dazu bieten wir eine Reihe von Veranstaltungen an und stellen unsere Initiative regelmäßig in den Medien vor. Aktuelle Informationen dazu finden Sie hier auf unserer Homepage oder auf unserer Facebook-Seite.

Wie können Sie helfen?

Wir sind immer auf der Suche nach niedergelassenen Ärzt*innen aller Fachrichtungen, Physiotherapie-, Ergotherapie- und Logopädiepraxen, Laboratorien, Kliniken und Klinikverwaltungen, die mit uns kooperieren möchten.

Jede(r), die/der bei uns mitarbeiten will, ist herzlich willkommen! Die meisten von uns sind (Medizin-)Studierende, aber bei uns finden sich auch Berufstätige und Menschen im Ruhestand. Sie können selbst entscheiden, wie Sie sich einbringen möchten: Ob in der Patient*innenbetreuung, Pressearbeit, Eventplanung, Gestaltung von Flyern, politischer Arbeit oder für die Vernetzung mit anderen Vereinen – es gibt Möglichkeiten für jedes Interessensfeld und jeden Zeitplan.

Schließlich können wir natürlich immer auch finanzielle Unterstützung gebrauchen, zum Beispiel durch unsere Fördermitglieder oder einzelne Spenden. Mehr Informationen finden Sie hier.

Kontakt

Der Vorstand unseres Vereins setzt sich momentan aus folgenden Mitgliedern zusammen: Claudia Eger, Jonathan Sauer und Marie Schinnerl

Sie erreichen uns jederzeit per Mail: info@medinetzmainz.de

Für Ideen und Anregungen zur Weiterentwicklung unseres Netzwerkes sind wir jederzeit offen und für jede Form der Unterstützung danken wir Ihnen herzlich.